Kritik an Aussagen von Kommandant Valier

8. Februar 2013

ST.GALLEN. Ärgerlich, aber kein Fehler sei es, dass die Stadtpolizei St.Gallen entlastende Videoaufnahmen übersehen habe, sagte Kommandant Pius Valier. Dies und die Fan-Videopanne geben weiter zu reden.

Daniel Walt, St. Galler Tagblatt

«Es ist schwierig, einen Fehler einzugestehen und sich zu entschuldigen, wenn man Nulltoleranz ausgerufen hat.» Das sagt Thomas Gander, Geschäftsführer von Fanarbeit Schweiz und Fanarbeiter beim FC Basel, zu Äusserungen von Pius Valier. Der Stadtpolizei-Kommandant hat es in einem Interview mit Tagblatt Online zwar als ärgerlich bezeichnet, dass die Polizei trotz mehrfacher Sichtung Videobilder übersehen hatte, die einen Fussballfan entlasten. Von einem Fehler wollte er allerdings nicht sprechen: Das Ganze sei nicht absichtlich passiert, die Polizei mache sich keinen Vorwurf.

"Lässt tief blicken"

Auf sozialen Netzwerken und in Fanforen gibt Pius Valiers Definition des Begriffs «Fehler» einiges zu reden. Auf Twitter schreibt ein User beispielsweise, ob man neuerdings erst von einem Fehler spreche, wenn bei einem Tun ein böser Wille dahinter war. Auf der Facebook-Page von Tagblatt Online lautet ein Kommentar wie folgt: "Dass der Polizeikommandant nicht in der Lage ist, einen Fehler einzugestehen, lässt tief blicken." Valiers Definition heisse im Umkehrschluss nichts anderes, als dass ein Fehler eine Absicht voraussetze - "gschpässige Logik", so der Kommentator. Und im FCSG-Forum hält User "General Lee" fest: "Es geht einfach darum, dass man hinstehen kann und sagt, dass da bei der Stapo ein Fehler passiert ist und man den 18-Jährigen rehabilitieren werde. Aber nein, kein Funken Einsicht. Und dann muss man sich nicht wundern, wieso die Polizei kein Ansehen mehr geniesst."

"Den Papst als reformiert verkaufen"

Im FCSG-Fanforum sowie in jenem des FC Basel hagelt es auch generelle Kritik am Umgang mit Fussballfans in der Stadt, und es wird bezweifelt, dass es sich um einen Einzelfall handelt. «Eigentlich kann man nur froh sein, dass nicht wir die Gäste sind beim Mist, der da abläuft», so beispielsweise ein St.Gallen-Fan zum Geschehen beim fraglichen Basel-Match beim Eingang zum Gästesektor. Ein anderer doppelt nach: "Ehrlich gesagt kann man bei solchen Sachen die starke Abneigung der restlichen Fussball-Schweiz gegen alles, was mit St.Gallen in Verbindung steht, gut verstehen." So ziehen Anhänger denn auch in Zweifel, dass die Polizei die entlastenden Bilder unabsichtlich nicht entdeckt habe. «Natürlich ist keine Absicht dahinter - logisch. Und wann wollen die uns den Papst als reformiert verkaufen?», schreibt etwa ein User im FCB-Forum.

"Alles hat sich hochgeschaukelt"

Für den Basler Fanarbeiter Thomas Gander seinerseits steht fest: Der Fall des 18-jährigen Fans, der schliesslich aufgrund der doch noch aufgetauchten Aufnahmen freigesprochen wurde, ist die logische Folge der St.Galler Politik gegenüber Fussballanhängern. «Die sehr eifrige Verfolgung von Fans sowie deren Gegenreaktion haben eine Eigendynamik ausgelöst. Alles hat sich hochgeschaukelt», so Gander. Durch den selbst auferlegten Druck dieser Politik, Erfolge vorweisen zu müssen, könne die Sorgfalt leiden. Der wichtigste Lösungsansatz sei es, für eine Entspannung bei den Eingangskontrollen zu sorgen. So hat das Netzwerk der Schweizer Fanarbeiter vor kurzem die Forderung verabschiedet, dass nicht mehr private Sicherheitsfirmen den Eingangsbereich kontrollieren, sondern nur noch stadioneigene Mitarbeiter. «Die im Fall des 18-jährigen Fans in St.Gallen aufgedeckten Falschaussagen von zwei Sicherheitsmitarbeitern und die wiederkehrenden gewalttätigen Eskalationen in den Eingangsbereichen der Stadien bestätigen uns in dieser Haltung», so Gander.

 

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