Burka-Verbot trifft Hooligans

17. Juni 2018

Fa­bi­an Eber­hard, Sonn­tags­Blick

Dem Sonn­tags­Blick liegt erst­mals ei­ne ge­naue Aus­wer­tung zum Ver­hül­lungs-Ver­bot im Tes­sin vor. Dem­nach rich­ten sich zehn von elf Ver­fah­ren im Jahr 2018 ge­gen Fuss­ball- und Eis­ho­ckey­fans.

Das Tes­sin ist so et­was wie ein Ver­suchs­la­bor für die Schweiz. Als ers­ter Kan­ton führ­te der Süd­kan­ton vor zwei Jah­ren ein Ver­hül­lungs­ver­bot für den öf­fent­li­chen Raum ein. Mus­li­min­nen, die ihr Ge­sicht ver­schlei­ern, droht ei­ne Bus­se von bis zu 10,000 Fran­ken.

Was im Tes­sin be­reits Ge­setz ist, könn­te bald für das gan­ze Land gel­ten. Vor­aus­sicht­lich 2019 stimmt das Volk über die Bur­ka-In­itia­ti­ve ab. Sie for­dert ein na­tio­na­les Ver­hül­lungs­ver­bot.

Elf Ver­fah­ren in vier Mo­na­ten

Bis­her war un­klar, in wel­chen Fäl­len die Tes­si­ner Po­li­zei bis­her ein­ge­schrit­ten ist. Be­kannt ist nur, dass pro Jahr knapp zwei Dut­zend Ver­fah­ren ein­ge­lei­tet wur­den. Nun lie­gen erst­mals ge­naue Zah­len vor. Seit An­fang 2018 führt das Tes­si­ner Jus­tiz­de­par­te­ment ei­ne de­tail­lier­te Sta­tis­tik über die Vor­fäl­le. Dem­nach wur­den in den ers­ten vier Mo­na­ten des Jah­res ins­ge­samt elf Ver­fah­ren er­öff­net, die sich auf das Ver­hül­lungs­ver­bot be­zie­hen.

Nur: In kei­nem ein­zi­gen Fall war ei­ne Mus­li­ma in­vol­viert. Laut ei­nem Spre­cher der Tes­si­ner Jus­tiz­di­rek­ti­on rich­ten sich zehn der Ver­fah­ren ge­gen ver­mumm­te Fuss­ball- und Eis­ho­ckey­fans. In ei­nem Fall ver­haf­te­te die Po­li­zei ei­nen ver­klei­de­ten Mann - er woll­te in ei­nem Kos­tüm der Co­mic­fi­gur «Dead­pool» ei­ne Film­pre­mie­re in Lu­ga­no be­su­chen.

«Es geht ums Prin­zip»

Ha­ben die Kri­ti­ker des Ver­bo­tes al­so recht, wenn sie sa­gen, das Ge­setz sei rei­ne Sym­bol­po­li­tik? Über­haupt nicht, fin­det Nor­man Gob­bi, Chef des De­par­te­ments für In­ne­res, Jus­tiz und Po­li­zei. Der Tes­si­ner Le­ga-Po­li­ti­ker: «Uns war im­mer klar, dass es nicht um die Men­ge der Ver­stös­se, son­dern eher um ein Prin­zip geht.»

Das Ge­setz sor­ge für ei­ne hö­he­re Si­cher­heit und ver­tei­di­ge die Wer­te «un­se­rer Kul­tur». Und - noch wich­ti­ger: «Wir ha­ben da­mit den Wil­len des Vol­kes um­ge­setzt.» Gob­bi be­tont, dass 2016 und 2017 meh­re­re Straf­ver­fah­ren er­öff­net wor­den sei­en, die Frau­en im Ni­kab be­tra­fen.

Vor al­lem kurz nach Ein­füh­rung des Bur­ka-Ge­set­zes wur­den tat­säch­lich meh­re­re Ver­stös­se da­ge­gen be­kannt. Der Gross­teil ging al­ler­dings auf Schwei­ze­rin­nen zu­rück, die zum Is­lam kon­ver­tiert und ins Tes­sin ge­kom­men wa­ren, um be­wusst zu pro­vo­zie­ren.

 

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