Medienmitteilung Gemeinderat Thun

16. September 2015

Kei­ne nach­weis­ba­re Wir­kung, schlech­te Bild­qua­li­tät und star­ke recht­li­che Ein­schrän­kun­gen be­züg­lich Be­triebs­zei­ten und Ver­wen­dung der Auf­nah­men: All die­se Nach­tei­le ha­ben den Thu­ner Ge­mein­de­rat da­zu be­wo­gen, die seit 2012 an fünf Stand­or­ten lau­fen­de Vi­deo­über­wa­chung bis auf Wei­te­res ein­zu­stel­len. Soll­ten sich die Vor­aus­set­zun­gen der­einst än­dern, wird der Ge­mein­de­rat ei­ne Neu­auf­nah­me der Vi­deo­über­wa­chung an ge­eig­ne­ten Stand­or­ten und mit bes­se­rer Tech­no­lo­gie prü­fen.

Je zwei Vi­deo­ka­me­ras in der Un­te­ren und der Obe­ren Haupt­gas­se so­wie am „Ky­burg-Eg­ge“ und je ei­ne beim Stauf­fer­gärt­li so­wie bei der Ab­dan­kungs­hal­le Scho­ren zeich­nen in Thun seit Spät­herbst 2012 vor al­lem in den Näch­ten von Don­ners­tag auf Frei­tag, Frei­tag auf Sams­tag und Sams­tag auf Sonn­tag (De­tails s. un­ten) das Ge­sche­hen im öf­fent­li­chen Raum auf. Die ins­ge­samt acht Ka­me­ras soll­ten, kom­bi­niert mit wei­te­ren Mass­nah­men, die Si­cher­heit er­hö­hen - so­wohl sub­jek­tiv, durch ih­re psy­cho­lo­gi­sche Wir­kung, wie auch ob­jek­tiv, in­dem ih­re Auf­zeich­nun­gen als Be­weis­mit­tel die­nen kön­nen. Nach ei­ner 2014 vor­ge­nom­me­nen Zwi­schen­bi­lanz und nach wei­te­ren Aus­wer­tun­gen, Ab­klä­run­gen und Ver­glei­chen in die­sem Jahr hat der Ge­mein­de­rat ent­schie­den, den ei­gent­lich bis 2017 lau­fen­den Pi­lot­ver­such nun ab­zu­bre­chen. „Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen nutz­brin­gen­den Wei­ter­be­trieb feh­len, un­se­re Bi­lanz wür­de 2017 ge­nau gleich aus­fal­len“, be­grün­det Ge­mein­de­rat Pe­ter Sie­gen­tha­ler, Vor­ste­her der Di­rek­ti­on Si­cher­heit und So­zia­les, die Hal­tung der Exe­ku­ti­ve. „Soll­ten sich die Vor­aus­set­zun­gen be­züg­lich Be­triebs­zei­ten und Tech­no­lo­gie je­doch än­dern, ist der Ge­mein­de­rat be­reit, die Vi­deo­über­wa­chung nö­ti­gen­falls wie­der ein­zu­füh­ren“, er­läu­tert Pe­ter Sie­gen­tha­ler wei­ter. Zu­gleich wür­den die heu­ti­gen Stand­or­te im Fal­le ei­ner Wie­der­ein­füh­rung über­prüft.

Die Haupt­grün­de für die Ein­stel­lung der Vi­deo­über­wa­chung:

· Die Ge­setz­ge­bung zum Da­ten­schutz setzt dem Be­trieb von Vi­deo­ka­me­ras durch Be­hör­den sehr en­ge Gren­zen, so­wohl be­züg­lich den Auf­zeich­nungs-Zeit­räu­men wie auch den Pe­ri­me­tern, den die Auf­nah­men ab­de­cken dür­fen. Die Ka­me­ras in der Un­te­ren und Obe­ren Haupt­gas­se dür­fen nur in den drei Näch­ten ab Don­ners­tag­abend, Frei­tag- und Sams­tag­abend je von 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr, die am Ky­burg-Eg­ge tags­über von 08.00 bis 21.00 Uhr und die­je­ni­ge im Scho­ren­fried­hof frei­tags und sams­tags von 20.00 bis 24.00 Uhr ein­ge­setzt wer­den. Die Ka­me­ras dür­fen nicht schwen­ken, die Auf­nah­men müs­sen je­weils nach 100 Ta­gen au­to­ma­tisch ge­löscht wer­den.

· Die Qua­li­tät der über ei­ne In­ter­net­ver­bin­dung an ei­nen Ser­ver über­mit­tel­ten Bil­der ist so schlecht, dass der Da­ten­schutz­be­auf­trag­te der Stadt Thun in sei­nem Tä­tig­keits­be­richt 2014 zum Schluss kam, dass die Vi­deo­über­wa­chung aus recht­li­chen Grün­den ein­ge­stellt wer­den müss­te. Die Bil­der könn­ten in der heu­ti­gen Qua­li­tät nicht als Be­weis­mit­tel ver­wen­det wer­den.

· Die Kan­tons­po­li­zei Bern konn­te seit In­be­trieb­nah­me der Ka­me­ras kei­nen ein­zi­gen Fahn­dungs­er­folg mel­den, der dank Un­ter­stüt­zung durch die Vi­deo­auf­nah­men zu­stan­de ge­kom­men wä­re.

· Die prä­ven­ti­ve Wir­kung der Vi­deo­über­wa­chung kann nicht ge­mes­sen oder nach­ge­wie­sen wer­den. Po­ten­zi­el­le Tä­ter oder Stö­ren­frie­de wis­sen dank der Ver­öf­fent­li­chung der Stand­or­te und Be­triebs­zei­ten ge­nau, wo und wie auf­ge­zeich­net wird.

· Ei­ne Um­fra­ge bei sechs Ge­mein­den und Städ­ten, die Vi­deo­ka­me­ras im öf­fent­li­chen Raum ein­set­zen, be­stä­tigt, dass die Ka­me­ras al­len­falls der Prä­ven­ti­on die­nen; nur ver­ein­zelt sind Straf­ta­ten auf­ge­deckt wor­den.

Rück­gang der Stö­run­gen vor al­lem dank an­de­rer Mass­nah­men

Zwar sind Kla­gen über Nacht­ru­he­stö­run­gen, Van­da­lis­mus und Ver­un­rei­ni­gun­gen in al­len Ge­bie­ten, wo Vi­deo­ka­me­ras in­stal­liert sind, zu­rück ge­gan­gen. Nach Ein­schät­zung des Ge­mein­de­ra­tes ist die­se Ver­bes­se­rung je­doch nicht auf die Vi­deo­über­wa­chung al­lei­ne, son­dern vor al­lem auf die di­ver­sen wei­te­ren Vor­keh­run­gen der Ab­tei­lung Si­cher­heit zur Ver­bes­se­rung der Nacht­ru­he zu­rück­zu­füh­ren. Zu die­sem Mass­nah­men­pa­ket ge­hö­ren ne­ben den Vi­deo­ka­me­ras auch der 2011 ganz­jäh­rig ein­ge­führ­te Ord­nungs­dienst In­nen­stadt, aus­ge­führt durch ei­ne pri­va­te Über­wa­chungs­fir­ma, Ge­sprä­che und kon­se­quen­te Ver­zei­gun­gen von fehl­ba­ren Nacht­schwär­mern so­wie die Ab­leh­nung von Ge­su­chen für ge­ne­rel­le Über­zeit­be­wil­li­gun­gen und für Aus­sen­wirt­schaf­ten am Abend und in der Nacht.

Wirk­sam­keit der Vi­deo­über­wa­chung sehr ge­ring“

Die Wirk­sam­keit der Vi­deo­über­wa­chung ist sehr ge­ring, so lan­ge die Da­ten­schutz­be­stim­mun­gen so streng sind und die Bild- und Über­mitt­lungs­qua­li­tät nicht mar­kant ver­bes­sert wer­den kön­nen“, sagt Si­cher­heits­vor­ste­her Pe­ter Sie­gen­tha­ler. Neue Ka­me­ras und ei­ne bes­se­re Über­tra­gungs­tech­no­lo­gie wür­den et­was mehr als 15‘000 Fran­ken kos­ten. „Vor­läu­fig set­zen wir die­sen Be­trag bes­ser für ge­ziel­te Kon­trol­len durch die Kan­tons­po­li­zei oder all­fäl­li­ge An­pas­sun­gen des Auf­tra­ges an die pri­va­ten Si­cher­heits­fir­men ein.“

 

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