Eine staatlich anerkannte digitale Identität: Bundesrat bringt Gesetz bis Sommer 2018

15. November 2017

Me­di­en­mit­tei­lung Bun­des­rat

Ver­schie­de­ne An­ge­bo­te und Dienst­leis­tun­gen im In­ter­net set­zen vor­aus, dass sich die Nut­ze­rin­nen und Nut­zer kor­rekt und si­cher iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Die Nut­ze­rin­nen und Nut­zer brau­chen al­so ei­ne di­gi­ta­le Iden­ti­tät. Der Bun­des­rat will des­halb kla­re Re­geln für ei­nen di­gi­ta­len Iden­ti­täts­nach­weis er­las­sen, der staat­lich an­er­kannt, über­prüf­bar und ein­deu­tig ist. Er hat an sei­ner Sit­zung vom 15. No­vem­ber 2017 das Eid­ge­nös­si­sche Jus­tiz- und Po­li­zei­de­par­te­ment (EJPD) nach Kennt­nis­nah­me der Re­sul­ta­te der Ver­nehm­las­sung be­auf­tragt, bis im Som­mer 2018 ei­nen Ge­set­zes­ent­wurf aus­zu­ar­bei­ten.

Im­mer mehr Leu­te tä­ti­gen ganz un­ter­schied­li­che Ar­ten von Ge­schäf­ten im In­ter­net, bei de­nen sie sich kor­rekt iden­ti­fi­zie­ren müs­sen. Die Pa­let­te reicht vom Ti­cket­kauf für den öf­fent­li­chen Ver­kehr über Be­stel­lun­gen bei Ver­sand­häu­sern bis hin zur Nut­zung staat­li­cher Dienst­leis­tun­gen. Die Be­völ­ke­rung ist da­bei dar­auf an­ge­wie­sen, dass sie die­se An­ge­bo­te ein­fach und si­cher in An­spruch neh­men kann. Der Bun­des­rat will die­sem wach­sen­den Be­dürf­nis ent­ge­gen­kom­men. Zu die­sem Zweck möch­te er ein Bun­des­ge­setz über elek­tro­ni­sche Iden­ti­fi­zie­rungs­diens­te (E-ID-Ge­setz) er­ar­bei­ten.

Das Ge­setz soll kla­re Re­geln für ei­nen staat­lich an­er­kann­ten Iden­ti­täts­nach­weis (E-ID) fest­le­gen. Die­ser soll Use­rin­nen und Usern in der Schweiz er­mög­li­chen, sich bei be­stimm­ten An­ge­bo­ten mit vol­ler Kon­trol­le über die ei­ge­nen Da­ten im In­ter­net zu iden­ti­fi­zie­ren. Die Ver­nehm­las­sung hat ge­zeigt, dass die­ses An­lie­gen im Grund­satz un­be­strit­ten ist.

Die Rol­le des Staa­tes

Die di­gi­ta­le Iden­ti­tät soll kor­rekt sein und vor Ver­wechs­lun­gen schüt­zen. Es soll sich nie­mand ei­ne fal­sche di­gi­ta­le Iden­ti­tät aus­stel­len las­sen kön­nen. Des­halb will der Bun­des­rat, dass der Staat die Kern­auf­ga­be bei der Aus­stel­lung ei­ner di­gi­ta­len Iden­ti­tät nicht aus der Hand gibt - näm­lich die amt­li­che Prü­fung und Be­stä­ti­gung der Exis­tenz ei­ner Per­son und ih­rer Iden­ti­täts­merk­ma­le wie Na­me, Ge­schlecht oder Ge­burts­da­tum. Ei­ne ei­gens da­für ein­zu­rich­ten­de Iden­ti­täts­stel­le im EJPD, das be­reits die mass­ge­ben­den of­fi­zi­el­len Re­gis­ter be­treibt, wird das si­cher­stel­len.

Die kon­kre­ten tech­no­lo­gi­schen Trä­ger die­ser staat­lich ge­prüf­ten und be­stä­tig­ten di­gi­ta­len Iden­ti­tät - denk­bar sind z.B. Mo­bil­te­le­fon, Bank­kar­te oder ÖV-Abon­ne­men­te - möch­te der Bund al­ler­dings we­der ent­wi­ckeln noch aus­stel­len. Dies sol­len nicht-staat­li­che An­bie­ter tun, die nä­her an den Use­rin­nen und Usern so­wie an der mass­ge­ben­den Tech­no­lo­gie für die zu nut­zen­den di­gi­ta­len An­ge­bo­te sind. Al­ler­dings wird der Staat auch hier das Heft nicht aus der Hand ge­ben: Er wird An­bie­ter und de­ren Lö­sun­gen ei­nem stren­gen An­er­ken­nungs­ver­fah­ren und re­gel­mäs­si­gen Kon­trol­len un­ter­zie­hen. Da­für wird ei­gens ei­ne An­er­ken­nungs­stel­le ge­schaf­fen, die im Eid­ge­nös­si­schen Fi­nanz­de­par­te­ment (EFD) an­ge­sie­delt wird.

Der Bun­des­rat hält da­mit an der im Ver­nehm­las­sungs­ent­wurf vor­ge­schla­ge­nen Auf­ga­ben­tei­lung zwi­schen Staat und nicht-staat­li­chen An­bie­tern fest. Die­se Auf­ga­ben­tei­lung schafft zum ei­nen die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne pra­xis­taug­li­che und kon­su­men­ten­freund­li­che An­wen­dung durch Ver­wal­tung, Bür­ge­rin­nen und Bür­ger so­wie Wirt­schaft. Zum an­dern ge­währt sie die nö­ti­ge Fle­xi­bi­li­tät für tech­no­lo­gi­sche Ver­än­de­run­gen.

Kla­re Re­geln auch für Da­ten­schutz

Im gan­zen Pro­zess der Hand­ha­bung und Ver­wen­dung der di­gi­ta­len Iden­ti­tät müs­sen die gel­ten­den Da­ten­schutz­be­stim­mun­gen ein­ge­hal­ten wer­den. Die Per­so­nen­iden­ti­fi­ka­ti­ons­da­ten dür­fen Drit­ten (z.B. On­line-Diens­ten) nur mit aus­drück­li­cher Ein­wil­li­gung der Kun­din­nen und Kun­den wei­ter­ge­ge­ben wer­den.

Die Ho­heit über den Ein­satz und die Frei­ga­be der Da­ten liegt aus­schliess­lich in der Hand der be­tref­fen­den Per­son. Auf der an­de­ren Sei­te ent­schei­det je­der An­bie­ter ei­nes On­line-Diensts selbst, ob er für die Nut­zung sei­nes Diensts die Ver­wen­dung der staat­lich an­er­kann­ten di­gi­ta­len Iden­ti­tät ver­langt oder nicht.

Bot­schaft bis Som­mer 2018

Der Bun­des­rat hat in sei­ner Sit­zung vom 15. No­vem­ber 2017 von den Er­geb­nis­sen der Ver­nehm­las­sung Kennt­nis ge­nom­men. Das EJPD wird nun, un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Rück­mel­dun­gen aus der Ver­nehm­las­sung, bis im Som­mer 2018 ei­ne Bot­schaft für ein Bun­des­ge­setz über elek­tro­ni­sche Iden­ti­fi­zie­rungs­diens­te (E-ID-Ge­setz) aus­ar­bei­ten.

 

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