Ständeratskommission gegen Verschärfung für Waffenexporte

12. Februar 2019

sda

Die Si­cher­heits­po­li­ti­sche Kom­mis­si­on des Stän­de­ra­tes (SiK) will vor­erst kei­ne Ver­schär­fung der Re­geln für Kriegs­ma­te­ri­al­ex­por­te. Sie will die Dis­kus­si­on über die hän­gi­ge Volks­in­itia­ti­ve ab­war­ten.

Mit die­ser Be­grün­dung be­an­tragt die Kom­mis­si­on ih­rem Rat, zwei Mo­tio­nen ab­zu­leh­nen. Sie möch­ten den Dis­kus­sio­nen zur Volks­in­itia­ti­ve "Ge­gen Waf­fen­ex­por­te in Bür­ger­kriegs­län­der" (Kor­rek­tur-In­itia­ti­ve) nicht vor­grei­fen, schreibt die SiK in ei­ner Mit­tei­lung vom Diens­tag.

Zur De­bat­te ste­hen ei­ne Mo­ti­on der BDP-Frak­ti­on und ei­ne Mo­ti­on von Stän­de­rat Ra­phaël Comte (FDP/NE). Comte will den Bun­des­rat be­auf­tra­gen, die Kon­trol­len im Zu­sam­men­hang mit Kriegs­ma­te­ri­al­ex­por­ten zu ver­stär­ken.

Die BDP-Frak­ti­on for­dert, dass künf­tig das Par­la­ment und nicht der Bun­des­rat die Be­wil­li­gungs­kri­te­ri­en für Waf­fen­ex­por­te fest­legt. Zu­dem sol­len die Aus­schluss­kri­te­ri­en des Gü­ter­kon­troll­ge­set­zes den­je­ni­gen des Kriegs­ma­te­ri­al­ge­set­zes an­ge­gli­chen wer­den. Das wür­de zu schär­fe­ren Re­geln füh­ren für Gü­ter, die so­wohl zi­vil als auch mi­li­tä­risch ver­wen­det wer­den kön­nen.

Text an­ge­passt

Der Na­tio­nal­rat nahm den Vor­stoss der BDP-Frak­ti­on mit 97 zu 82 Stim­men bei 11 Ent­hal­tun­gen an. Die Stän­de­rats­kom­mis­si­on be­fass­te sich be­reits ein­mal da­mit - und be­an­trag­te sei­nem Rat, die Mo­ti­on ab­zu­leh­nen. Der Stän­de­rat schick­te die­se aber an die Kom­mis­si­on zu­rück. Ei­ne Ab­leh­nung könn­te un­ter­schied­lich in­ter­pre­tiert wer­den, be­fand die Mehr­heit. Der Text der Mo­ti­on müs­se da­her an­ge­passt wer­den.

Das hat die Kom­mis­si­on ge­tan: Sie strich die Pas­sa­ge zum Gü­ter­kon­troll­ge­setz, da sie die­se als "An­griff auf ver­schie­de­ne Wirt­schafts­bran­chen" er­ach­tet. An­schlies­send lehn­te sie die Mo­ti­on aber mit 7 zu 3 Stim­men bei 3 Ent­hal­tun­gen ab. Den Vor­stoss von Comte ver­warf sie mit mit 9 zu 3 Stim­men bei 1 Ent­hal­tung.

In­iti­an­ten hof­fen auf Stän­de­rat

Die Al­li­anz ge­gen Waf­fen­ex­por­te in Bür­ger­kriegs­län­der, die hin­ter der Kor­rek­tur-In­itia­ti­ve steht, be­dau­ert den Ent­scheid der Kom­mis­si­on. Die­se po­li­ti­sie­re an der Be­völ­ke­rung vor­bei, schreibt sie in ei­ner Mit­tei­lung. Sie hof­fe nun auf den Stän­de­rat. Soll­te die­ser aber der Kom­mis­si­on fol­gen, kön­ne der Ent­scheid mit der In­itia­ti­ve kor­ri­giert wer­den.

Die Volks­in­itia­ti­ve war lan­ciert wor­den, nach­dem der Bun­des­rat an­ge­kün­digt hat­te, die Kri­te­ri­en für den Ex­port von Kriegs­ma­te­ri­al zu lo­ckern. Neu soll­ten Schwei­zer Rüs­tungs­fir­men Waf­fen auch in Bür­ger­kriegs­län­der ex­por­tie­ren kön­nen, wenn kein Grund zur An­nah­me be­steht, dass das Kriegs­ma­te­ri­al im in­ter­nen Kon­flikt ein­ge­setzt wird. Der Bun­des­rat woll­te da­mit die Rüs­tungs­in­dus­trie stüt­zen.

Kehrt­wen­de des Bun­des­ra­tes

Das stiess je­doch auf hef­ti­gen Wi­der­stand. In der Fol­ge ver­zich­te­te der Bun­des­rat auf die ge­plan­te Lo­cke­rung. Aus Sicht der Be­für­wor­ter hat sich das An­lie­gen der BDP-Mo­ti­on mit der Kehrt­wen­de des Bun­des­ra­tes aber nicht er­üb­rigt. Auch die Ur­he­ber der Volks­in­itia­ti­ve hal­ten an ih­ren Plä­nen fest.

Die Ver­fas­sungs­än­de­rung soll nicht nur ei­ne wei­te­re Lo­cke­rung ver­hin­dern, son­dern auch ei­nen frü­he­ren Ent­scheid des Bun­des­rats rück­gän­gig ma­chen. Die­ser hat­te 2008 die Re­geln ver­schärft - mit Blick auf ei­ne Volks­in­itia­ti­ve der Grup­pe Schweiz oh­ne Ar­mee (GSoA) für ein Ver­bot von Waf­fen­ex­por­ten. Im Ab­stim­mungs­kampf da­zu ver­si­cher­te die Re­gie­rung, an der re­strik­ti­ven Pra­xis fest­hal­ten zu wol­len.

2014 lo­cker­te der Bun­des­rat dann je­doch im Auf­trag des Par­la­ments die Re­geln. Vor­her durf­ten Waf­fen und Mu­ni­ti­on nicht in Län­der ge­lie­fert wer­den, in de­nen Men­schen­rech­te sys­te­ma­tisch und schwer­wie­gend ver­letzt wer­den. Seit­her sind Ex­por­te nur noch dann ver­bo­ten, wenn ein ho­hes Ri­si­ko be­steht, dass das Ma­te­ri­al für schwer­wie­gen­de Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen ein­ge­setzt wird. Die "Kor­rek­tur-In­itia­ti­ve" soll die­sen Ent­scheid kor­ri­gie­ren.

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