Drei Viertel der Isis-Datenbank gelöscht

28. Dezember 2012

(sda) Der Nach­rich­ten­dienst (NDB) hat die um­strit­te­ne Staats­schutz-Da­ten­bank Isis fer­tig be­rei­nigt. Er ist da­mit der For­de­rung der par­la­men­ta­ri­schen Ober­auf­sicht nach­ge­kom­men. Mit rund 60 000 Ein­trä­gen ist Isis auf ei­nen Vier­tel des ur­sprüng­li­chen Um­fangs ge­schrumpft.

Har­sche Kri­tik

Die Ge­schäfts­prü­fungs­de­le­ga­ti­on (GPDel) üb­te im Som­mer 2010 har­sche Kri­tik an der Staats­schutz-Da­ten­bank Isis und warf dem NDB gar Ge­set­zes­ver­stös­se vor. Der NDB ha­be auf Vor­rat Da­ten zu Per­so­nen ge­sam­melt, oh­ne zu prü­fen, ob sie auch re­le­vant sei­en, stell­te die par­la­men­ta­ri­sche Ober­auf­sicht fest. Vie­le Da­ten stamm­ten noch vom frü­he­ren Dienst für Ana­ly­se und Prä­ven­ti­on (DAP).

Auf Ge­heiss der GPDel muss­te der NDB al­te Ein­trä­ge kon­trol­lie­ren und lö­schen, wenn sich er­wies, dass sie nicht hät­ten ge­spei­chert wer­den dür­fen. Die­se Über­prü­fung ist nun be­en­det, wie ein Spre­cher des NDB am Frei­tag auf An­fra­ge der Nach­rich­ten­agen­tur SDA sag­te.

Nur 10 Pro­zent Schwei­zer

Bei der Be­rei­ni­gung fie­len wie von der GPDel ver­langt zahl­rei­che Da­ten­sät­ze weg. Ein­trä­ge, die rou­ti­ne­mäs­sig mit dem Pro­gramm Fo­to­pass an der Gren­ze er­ho­ben wur­den, lösch­te der NDB au­to­ma­tisch. Seit En­de 2011 kon­trol­liert der NDB die Da­ten auch un­mit­tel­bar nach de­ren Er­fas­sung.

Gleich­zei­tig wen­det der NDB bei der Neu­er­fas­sung seit dem GPDel-Be­richt von 2010 stren­ge­re Kri­te­ri­en an. Dank bes­se­rer Schu­lung lie­fern laut NDB die kan­to­na­len Be­hör­den we­ni­ger, aber bes­se­re Da­ten. Nicht ver­wen­de­te Be­rich­te wür­den kon­se­quent den Kan­to­nen zu­rück­ge­sandt. «Qua­li­tät vor Quan­ti­tät» gel­te als Mot­to.

Des­we­gen wur­de die Da­ten­bank dras­tisch ver­klei­nert. Rund 60 000 Per­so­nen und Or­ga­ni­sa­tio­nen sind der­zeit in Isis er­fasst. Vor der Re­duk­ti­on wa­ren es über 235 000. Wei­te­re De­tails gibt der NDB nicht preis – et­wa zur Zahl der re­gu­lär Fi­chier­ten und zu den so­ge­nann­ten Dritt­per­so­nen, die le­dig­lich in ei­nem Be­zug zu re­gu­lär Fi­chier­ten ste­hen. Er hält aber fest, dass un­ter den fi­chier­ten Per­so­nen le­dig­lich rund 10 Pro­zent Schwei­zer Bür­ger sei­en.

Fi­chie­rung bei Ge­walt

Wel­chen Kri­te­ri­en der NDB neu bei der Er­fas­sung folgt, bleibt eben­falls ge­heim. Der NDB ver­weist aber dar­auf, dass auf­grund der ge­setz­li­chen Grund­la­ge nur Per­so­nen und Or­ga­ni­sa­tio­nen fi­chiert wer­den, die mit Ge­walt in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den kön­nen.

Dies trifft laut NDB bei­spiels­wei­se zu bei ei­nem Ras­sis­ten, der ei­nen Brand­an­schlag ver­übt, oder bei ei­ner Per­son, die ei­ne Sach­be­schä­di­gung im Rah­men ei­ner An­ti-WEF-De­mons­tra­ti­on be­geht. Nicht in die Isis-Da­ten­bank ge­lan­gen is­la­mi­sche Be­we­gun­gen, die Bü­cher ver­tei­len, oh­ne zu Ge­walt auf­zu­ru­fen.

Alt Stän­de­rat Hans­rue­di Stad­ler be­riet den NDB als ex­ter­ner Da­ten­schutz­be­auf­trag­ter bei der Um­set­zung der Mass­nah­men der GPDel. Stad­ler hat­te bei­spiels­wei­se die Sper­re von al­ten und nicht über­prüf­ten Da­ten zu kon­trol­lie­ren.

Wei­te­re Zwi­schen­fäl­le

Nach der Isis-Af­fä­re ist der NDB nicht vor wei­te­ren Zwi­schen­fäl­len um sei­ne Da­ten ver­schont ge­blie­ben. Im Früh­jahr 2012 war ein um­fang­rei­cher Da­ten­dieb­stahl fest­ge­stellt wor­den. Nach An­ga­ben des Ver­tei­di­gungs­de­par­te­ments (VBS) wur­de der mut­mass­li­che Tä­ter, ein NDB-In­for­ma­ti­ker, ge­stellt, be­vor er die Da­ten ver­kau­fen konn­te.

Nebst den lau­fen­den Un­ter­su­chun­gen im VBS und durch die GPDel will Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ue­li Mau­rer nach dem Da­ten­klau auch die VBS-in­ter­ne Auf­sicht über den NDB über­prü­fen las­sen. Den Auf­trag er­teil­te er dem ehe­ma­li­gen Di­rek­tor des Bun­des­amts für Jus­tiz, Hein­rich Kol­ler, wie Mau­rer an sei­nem Me­di­en­tag am Don­ners­tag mit­teil­te. Dar­über be­rich­te­te am Frei­tag die «Bas­ler Zei­tung».

Die Da­ten­si­cher­heit in der Bun­des­ver­wal­tung un­ter­su­chen soll ein wei­te­res Gre­mi­um un­ter der Lei­tung des Ber­ner Rechts­pro­fes­sors Mar­kus Mül­ler. Bis En­de April soll zu­dem ein Ge­setz zur In­for­ma­ti­ons­si­cher­heit im Ent­wurf vor­lie­gen.

Zum NDB wird bis An­fang Fe­bru­ar ein neu­es Nach­rich­ten­dienst­ge­setz er­war­tet. Es wird heik­le Fra­gen zur Über­wa­chung im Rah­men des Staats­schut­zes re­geln.

 

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