«Ein grösseres Buffet weckt auch mehr Appetit»

24. März 2017

Vik­tor Györf­fy, Prä­si­dent grund­rech­te.ch. Aar­gau­er Zei­tung

Mehr Da­ten und mehr Über­wa­chungs­kom­pe­ten­zen wer­den un­wei­ger­lich zu mehr Über­wa­chung füh­ren

Wir kom­mu­ni­zie­ren im­mer mehr über di­gi­ta­le Ka­nä­le und er­zeu­gen da­mit im­mens vie­le Da­ten. Das re­vi­dier­te BÜPF (das Bun­des­ge­setz be­tref­fend die Über­wa­chung des Post- und Fern­mel­de­ver­kehrs) macht sich dies zu­nut­ze - mit ab­seh­bar gros­sen Aus­wir­kun­gen auf die Über­wa­chungs­pra­xis.

Wir wer­den im­mer mehr über­wacht - nicht weil wir mehr kom­mu­ni­zie­ren, son­dern weil es ein­fa­cher ist, un­se­re elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on mit­zu­schnei­den, als über­all ein Mi­kro­fon auf­zu­hän­gen. Die Über­wa­chungs­ge­rä­te tra­gen wir ja heut­zu­ta­ge prak­ti­scher­wei­se in Form von elek­tro­ni­schen Gad­gets mit uns. Die Pa­let­te der Über­wa­chungs­mass­nah­men wird stark er­wei­tert, u.a. mit dem Staats­tro­ja­ner und dem IM­SI-Cat­cher.

Die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung, wel­che vom EU-Ge­richts­hof als grund­rechts­wid­rig er­ach­tet wird, wird im re­vi­dier­ten BÜPF bei­be­hal­ten. Künf­tig wird so­gar der Ge­heim­dienst die Vor­rats­da­ten nut­zen dür­fen. Neu kön­nen prak­tisch al­le Pro­vi­der ver­pflich­tet wer­den, die Kom­mu­ni­ka­ti­on ih­rer Kun­den an die Straf­ver­fol­ger aus­zu­lei­ten. Selbst Pri­va­te müs­sen das dul­den, so­bald sie an­de­ren Per­so­nen Zu­gang zum In­ter­net ge­wäh­ren.

Die Er­fah­rung bis­her zeigt: Straf­ver­fol­ger ten­die­ren da­zu, Über­wa­chungs­mög­lich­kei­ten, die be­ste­hen, zu­neh­mend aus­zu­nüt­zen. In der Pra­xis be­geg­nen ei­nem lau­fend Fäl­le, in de­nen das an sich gel­ten­de Sub­si­dia­ri­täts­prin­zip vom Staats­an­walt bei­sei­te­ge­scho­ben wird. Die Ge­rich­te über­prü­fen das prak­tisch nie. Das BÜPF stellt ein Buf­fet mit rei­cher Aus­wahl zur Ver­fü­gung.

In­wie­weit sich die Straf­ver­fol­ger dar­an be­die­nen wer­den, wird vor al­lem von zwei Fak­to­ren be­stimmt wer­den: Ap­pe­tit ist im­mer da. Be­grenzt wer­den wird die­ser vor al­lem von den Über­wa­chungs­kos­ten - al­ler­dings auch das nicht im­mer, wie die Pra­xis bei den An­ten­nen­such­läu­fen zeigt. Im Mord­fall von Rup­pers­wil hat ein Such­lauf, der Zehn­tau­sen­de von Per­so­nen be­trof­fen hat, zu ei­ner as­tro­no­mi­schen Rech­nung ge­führt. Auf der an­de­ren Sei­te wird die­se Art von Ras­ter­fahn­dung auch für ver­gleichs­wei­se ge­ring­fü­gi­ge De­lik­te wie Sach­be­schä­di­gung ein­ge­setzt. Wir müs­sen da­mit mit mehr Über­wa­chung rech­nen und soll­ten da­bei ei­nes nicht ver­ges­sen: Über­wacht wer­den auch Un­schul­di­ge. Denn wenn fest­steht, wer die schul­di­ge Per­son ist, braucht es die Über­wa­chung nicht.

 

Webauftritt gestaltet mit YAML (CSS Framework), Contao 3.5.27 (Content Management System) und PHPList (Newsletter Engine)

Copyright © 2006-2025 by grundrechte.ch