Schützt der Kantönligeist Kriminelle? Die Polizeikorps sind überzeugt und wollen mehr Vernetzung. Datenschützer warnen.

4. April 2019

Iwan San­to­ro, SRF

Für die Si­cher­heit in der Schweiz sor­gen die 26 kan­to­na­len Po­li­zei­korps. Wenn aber Kri­mi­nel­le über Kan­tons­gren­zen hin­weg ihr Un­we­sen trei­ben, wird die Ver­fol­gung schwie­ri­ger. Denn die Po­li­zis­ten kön­nen nicht so ein­fach auf die Da­ten­ban­ken ih­rer Kol­le­gen in an­de­ren Kan­to­nen zu­grei­fen.

Für die Che­fin der Bun­des­po­li­zei, Ni­colet­ta Del­la Val­le, ist es des­halb nö­tig, die Schweiz als ei­nen ein­zi­gen «Kri­mi­na­li­täts­raum» zu be­han­deln. Ent­schei­dend sei der ra­sche In­for­ma­ti­ons­aus­tausch.

Bei Fahn­dungs­da­ten sei die Schweiz mit ih­rem Fahn­dungs­sys­tem Ri­pol gleich gut wie das Schen­gen-Sys­tem SIS in Eu­ro­pa, be­tont Del­la Val­le. Wenn aber Kri­mi­nel­le noch nicht zur Fahn­dung aus­ge­schrie­ben sei­en, wer­de es in der fö­de­ra­lis­ti­schen Schweiz müh­sam: «Die Kri­mi­nel­len rei­sen bei­spiels­wei­se in Genf ein und zie­hen mit ei­ner Ein­bruch­se­rie quer durch die Schweiz. Da ist es schon re­le­vant, wenn die Ost­schwei­zer se­hen, dass ei­ner in Genf be­reits ei­nen Ban­co­ma­ten ge­sprengt hat.»

Ver­net­zung als gros­se Hil­fe

Kri­mi­nel­le hiel­ten sich nicht an Kan­tons­gren­zen, un­ter­streicht die Bun­des­po­li­zei-Che­fin und un­ter­stützt des­halb die For­de­rung der kan­to­na­len Korps. Denn heu­te muss ei­ne Po­li­zei sämt­li­che Kan­to­ne an­fra­gen, wenn sie wis­sen will, ob ein Ver­däch­ti­ger be­reits an­dern­orts zu­ge­schla­gen hat.

Mit Ge­nug­tu­ung nah­men die Po­li­zei­ver­tre­ter am heu­ti­gen Kon­gress in Bern zur Kennt­nis, dass sich jetzt auch die Po­li­tik für den ver­netz­ten Da­ten­aus­tausch zwi­schen den Po­li­zei­kräf­ten ein­setzt.

Be­den­ken beim Da­ten­schutz

Gar nicht be­geis­tert vom po­li­ti­schen Vor­stoss ist Vik­tor Györrf­fy, Rechts­an­walt und Prä­si­dent von grund­rech­te.ch. Die­ser Ver­ein wur­de auf­grund der Schwei­zer Fi­chen-Af­fä­re En­de der 1980er-Jah­re ge­grün­det und setzt sich für die Pri­vat­sphä­re der Bür­ger ein: «Da­ten­schutz­recht­lich wä­re die­ser Zu­griff auf al­le Po­li­zei-In­for­ma­ti­ons­sys­te­me un­ter­ein­an­der nicht halt­bar. Wir fra­gen uns, was das bringt und ob nicht die Stel­len noch mehr in Da­ten er­trin­ken wür­den als be­reits heu­te», be­tont der Kri­ti­ker.

Man müs­se sich vor Au­gen hal­ten, wie die­se Da­ten be­wirt­schaf­tet wür­den, sagt Györrf­fy. Da ste­he ganz viel drin, das nicht ge­si­chert und so­gar falsch sei. Po­li­zis­ten könn­ten so vor lau­ter Bäu­me den Wald nicht mehr se­hen.

«Nur die Ver­net­zung ist neu»

Der Da­ten­schutz sei ge­währ­leis­tet, man hal­te sich an das Ge­setz, wo­nach al­te Da­ten ge­löscht wer­den müss­ten, wi­der­spricht der Ba­sel­bie­ter Po­li­zei­kom­man­dant Mark Burk­hard. Zu­dem dür­fe man be­reits heu­te Da­ten in­ter­kan­to­nal aus­tau­schen, ein­fach nur im Ein­zel­fall. Neu wä­re nur, dass man künf­tig ver­netzt wä­re, sagt Burk­hard: «Letzt­end­lich geht es dar­um, Se­ri­en­tä­ter zu er­ken­nen. Das ist ein er­heb­li­cher Ge­gen­wert. Des­halb ist es not­wen­dig, die­sen Da­ten­aus­tausch zu er­mög­li­chen.»

Die Chan­cen, dass die Po­li­zei mit ih­rem An­lie­gen bei der Po­li­tik Er­folg hat, sind in­takt. Die ent­spre­chen­de Mo­ti­on von FDP-Na­tio­nal­rä­tin Co­ri­na Ei­chen­ber­ger er­hält par­tei­über­grei­fend und auch vom Bun­des­rat Sup­port. Al­ler­dings ha­ben die Grü­nen Wi­der­stand an­ge­kün­digt.

Der Vor­stoss für mehr Da­ten­aus­tausch zwi­schen den Kan­tons­po­li­zei­en wird vor­aus­sicht­lich im Mai in der Son­der­ses­si­on oder im Ju­ni in der re­gu­lä­ren Som­mers­ses­si­on im Na­tio­nal­rat be­han­delt.

 

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